
Die Auswertung der Häftlingsdatenbank in Dachau ergab, dass im Verlauf des II. Weltkriegs 25.343 sowjetische Bürger - Kriegsgefangene und Ostarbeiter - in das KZ-Dachau überstellt wurden. 1) Davon waren 2.155 sowj. Staatsbürger zwischen Januar 1943 und Januar 1945 als KZ-Häftlinge in das KZ-Außenlager Dachau-Allach überstellt worden. Die Durchsicht der Allacher Veränderungsmeldungen, also der Zu- und Abgangsmeldungen ergibt folgendes Bild: Für den Zeitraum von Februar 1943 bis Januar 1945 sind für das KZ-Außenlager Dachau-Allach mindestens 120 sowjetische Kriegsgefangene namentlich nachweisbar. Die zusätzlich für BMW arbeitenden 608 sowjetischen Kriegsgefangenen hausten im BMW-eigenen Kriegsgefangenenlager an der DachauerStraße gegenüber dem BMW-Flugmotorenwerk. Die KZ-Einweisungen sowjetischer Zivilarbeiter ab Herbst 1942 erfolgten durch Absprachen zwischen den Stapo-Stellen und den Arbeitsämtern außerhalb des Schutzhaftverfahrens und waren obligatorisch. Der Arbeitskräftemangel in der Rüstungsindustrie war so groß, dass Heinrich Himmler Mitte Dezember 1942 befahl, bis zum 1. Februar 1943 mindestens 35.000 Personen in die KZ einzuweisen: "Ab sofort werden fremdvölkische Arbeiter, welche flüchtiggegangen und vertragsbrüchig geworden sind (. . .) auf dem schnellsten Wege in die Konzentrationslager eingeliefert ." 2) In Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzungstruppen, der Wehrmacht und der Sipo erfolgte der Transport in das "Reich" mit der Deutschen Reichsbahn.
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1) Klaus Mai, Die vergessenen Opfer, München April 2020, S. 22.
2) BA NS 3/426 Blatt 39, StaN No-1238. Gesprächsnotiz vom 14.9.1942. StaN PS-682. Geheimbefehl des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD an alle Befehlshaber, Inspekteure und Kommandeure der Sipo und des SD vom 17.12.1942; StaN, abgedruckt in IMT Bd. XXVII, S. 701-703.