„Die größte Gruppe der in das Deutsche Reich verschleppten ausländischen Zivilarbeiter waren die „Ostarbeiter“. Die letzte Zahl über sie stammt von Ende September 1944 und weist 2,461.163 Millionen Sowjetbürger als Ostarbeiter aus.“ 1) Bis Kriegsende wurden geschätzt über 4 Millionen Ostarbeiter zwangsverschleppt, mehrheitlich Frauen. Ethnisch zugeordnet handelte es sich um Ukrainer, Russen, Weißrussen und Balten (prozentual: 55% Ukrainer, 30% Russen, 12% Weißrussen und 3% Balten). 2) Die Anwerbung dieser Ostarbeiter erfolgte ab 20.02.1941 in den besetzten Gebieten mit falschen Versprechungen. Sie mussten das Ostarbeiterzeichen tragen und sich in eigenen umzäunten Barackenlagern aufhalten, waren von der deutschen Bevölkerung, den Kriegsgefangenen und „ausländischen Zivilarbeitern“ streng getrennt. Bei „unerlaubtem Geschlechtsverkehr“ mit deutschen Frauen drohte die Einweisung in Arbeitserziehungslager (AEL), Konzentrationslager durch die Gestapo oder die Exekution. „Die Exekutionen wegen dieser ‚Delikte‘ nahmen im Verlauf
des Krieges weiter zu. 1944 erließ das Ausländerreferat im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zuweilen zwei bis drei Hinrichtungsbefehle täglich gegen sowjetische Arbeitskräfte wegen der verbotenen Kontakte zu deutschen Frauen.“ 3) Schwangere Arbeitskräfte sollten möglichst nach dem Osten abgeschoben werden.4) Seit dem Frühjahr 1943 wurden monatlich ca. 40.000 ausländische, vor allem sowjetische Arbeiter „eingefangen“ und als KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit bei SS-eigenen und in fremden Unternehmen eingesetzt. 5)
So war es für größere Firmen wie z.B. Reichsbahn oder BMW nur folgerichtig, innerhalb der gemischten Fremdarbeiterleger Kinderkrippen und Betreuungsbaracken einzurichten, in denen die Fremdarbeiterbabys tagsüber betreut wurden. Kindergärten gab es im Reichsbahnlager Eggarten und im BMW-Lager an der Milbertshofener Straße. Eine Niederkunftsklinik befand sich bis zur Zerstörung durch Bombentreffer 1944 im BMW-Wohnlager Karlsfeld, danach wurden die Schwangeren zur Niederkunft in die Klinik auf dem O.T.-Lagergelände Rothschwaige eingewiesen.
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1) Zit. nach Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart/München 2001, S. 93 ff.
2) Vgl. ebd.
3) Christine Glaunig, Ostarbeiter im Deutschen Reich, S. 7.
4) Vgl. ebd.
5) Vgl. ebd.