Das Arbeitslager Moosach

Das Arbeits- und Erziehungslager der Gestapo in Moosach nahe der ehemaligen Bingener Straße am heutigen Rangierbahnhofgelände ist im August 1941 erstmalig erwähnt. Im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen Anfang der 50er Jahre sprechen Zeugenaussagen von einer Lagerbelegung von 400 bis 500 Häftlingen. Das Lager war umzäunt, ohne Wachtürme und ein reines Männerlager. Die Häftlinge wurden während der Arbeit und im Lager durch SS-Männer bewacht. Hauptauftraggeber für die Häftlingsarbeiten waren neben der Deutschen Reichsbahn, Rüstungsfirmen wie BMW und andere Betriebe. Alle befragten Zeugen schildern übereinstimmend ihren Arbeitseinsatz bei Kabel- oder Gleisverlegearbeiten an der Reichsbahn oder im Reichsbahnausbesserungswerk (R.A.W) Freimann. Neue Häftlinge mussten zunächst in Quarantäne und wurden nach einer Woche zur Arbeit eingesetzt. Häftlingsbekleidung gab es , manche hatten rote Streifen an der Hose. Die Lagerbelegung bestand überwiegend aus Fremdarbeitern und nur wenigen Deutschen. Der Arbeitstag dauerte 12 Stunden mit einer Stunde Pause, die Ernährung im Lager war so schlecht wie in einem Konzentrationslager. Schläge waren an der Tagesordnung. Ob es wie in anderen Arbeits- und Erziehungslagern Fleckfieber, TBC oder Typhusepidemien gab ist unbekannt. Die Hygieneverhältnisse in diesem Lager waren katastrophal. Insgesamt kann man von "KZ-ähnlichen" Verhältnissen sprechen." Über Tötungen oder Hinrichtungen ist nichts bekannt. Aus dem BMW-Werk II in Allach sind 13 Einweisungen für 1944 innerhalb einer Woche mit nachfolgender KZ-Überstellung dokumentiert. Sie erfolgten im Auftrag der BMW-Werksleitung und Zustimmung der "BMW-Betriebsräte" in Kooperation mit der Gestapo München. Einweisungsgründe waren unentschuldigtes Wegbleiben von der Arbeit, Zuspätkommen, Arbeitsverweigerung, Aufwiegelei, Handeln mit Essensmarken, Urlaubsüberschreitung und Verlust des Werksausweises. Dem mehrwöchingen Aufenthalt im SS-Arbeitslager Moosach folgte meist ein KZ-Aufenthalt von drei bis 4 Wochen im KZ-Dachau oder bei BMW im KZ-Außenlager Dachau-Allach. Nach ihrer KZ-Entlassung arbeiteten die Fremdarbeiter in den Firmen weiter. 2)
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1) Vgl. BA Bad Arolsen, 1.1.0.7. Dok. 87767291.
2) Vgl. StaA München. SpKA 1212 Wrba.

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