Waren bis Frühjahr 1942 sowjetische Kriegsgefangene im Münchner Norden überwiegend noch als Arbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt worden, so wandelte sich dies mit dem Kriegsverlauf und der Niederlage in Stalingrad ab 1943 drastisch. Die Wehrmacht griff zum Ausgleich ihrer Verluste an der Ostfront auf die Männer zurück, die bis dahin in den Firmen die Rüstungsproduktion aufrecht hielten. Die zum Militär einberufenen mussten damit in den Firmen ersetzt werden. Die "Auskämmaktionen" trafen auch die örtlichen kriegswichtigen Rüstungsbetriebe wie BMW, Knorr-Bremse, Kraus-Maffei, Rathgeber u.a., aber auch die Landwirtschaft sowie den öffentlichen Dienst. Dazu mussten die Firmen für die sowjetischen Kriegsgefangenen eigene Lager errichten.
Die Bedingungen in diesen Firmengefangenenlagern waren unterschiedlich. Einen Hinweis auf die Lebensbedingungen in diesen Lagern geben die Todesursachen der Kriegsgefangenen.
Von den Ärzten des Reserve-Lazaretts in Freising festgestellte Hungerödeme in den BMW-Kriegsgefangenenlagern Nr. 2913 und 2920 lassen als Rückschluss nur „ungenügende Ernährung“ und mangelnde Hygienebedingungen zu. Ob die Todesursache Lungenembolie eine Folge der Lungen- und Kehlkopf-TBC war, die auf die schlechten Arbeitsbedingungen zurückzuführen war oder „nur“ auf der mangelhaften Unterbringung in Firmenlagern beruhte, wird hier zur Nebensache. Auffallend ist, dass eine Lungentuberkulose in etwa 10% aller Fälle Todesursache war. Weitere Todesursachen waren: Fliegerangriffe, Betriebsunfälle, „Auf der Flucht erschossen“, Herz- und Kreislaufschwäche oder „Bauchschuss wegen Widerstand“.
Das Erschießen wegen „Widerstand“ geschah am Arbeitsplatz und zeigt, dass die bewachenden Landesschützen die Befehle ihrer Vorgesetzten bei Flucht oder Widerstand rigoros in der Betriebsöffentlichkeit vor den Mitarbeitern ausführten.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Situation in einigen Firmenlagern für die sowjetischen Kriegsgefangenen in einigen Fällen durchaus „KZ-ähnlich“ war.