Aus den Unterlagen der Gestapo München läßt sich das Vorgehen von Wehrmacht, SD und Sipo bei der "Aussonderung" der sowjetischen Kriegsgefangenen gut rekonstruieren. 1) Die erste Verteilung der Kriegsgefangenen aus dem Stalag VII/A Moosburg auf einzelne Arbeitskommandos innerhalb des Wehrkreises VII fand ab 29.09.1941 statt. Bis 22.11.1941 waren 3.788 "Russen" im Wehrkreis VII in 28 Arbeitskommandos verteilt, davon 410 "Russen" als "Verdächtig und Untragbar" ausgesondert worden. Aus dem Arbeitskommando" Fliegerhorst Schleißheim" waren von 350 sowj. Kriegsgefangenen 37 als "Untragbar". eingestuft worden. Das Problem: Wie wollte man diese "Untragbaren" herausfinden? Als Religion war z.B. auf den Stammkarten nur russisch-orthodox, griechisch-katholisch oder muslim eingetragen. Nun, die Gestapo setzte Spitzel ein und hoffte auf Denunzierung. 2) Von den 410 "Russen" wurden bis
15.11.1941 im KZ-Dachau auf dem SS-Schießplatz in Hebertshausen 276 sowj. Kriegsgefangene ermordet. Weitere 188 als "Untragbar" festgestellte "Sowjetrussen" waren unter "Berufung auf einen Befehl des OKW" aus dem Stalag VII/A angeblich nicht mehr zur Ermordung in das KZ-Dachau überstellt worden. 3) Sie wurden stattdessen in das KZ-Buchenwald überstellt, wo nur davon wenige überlebten. Die Behandlung blieb im Stalag nicht ohne Folgen. Hier muss darauf verwiesen werden, dass die Aktion im Stalag VII/A zur Rettung der sowjetischen jüdischen Kriegsgefangenen vor der Erschießung in Hebertshausen von Major Karl August Meinel in Abstimmung mit dem Lagerkommandanten Oberst Nepf und Generalleutnant Ritter von Saur als militärischer Widerstand gegen die Gestapo zu werten ist. Der Befehl, die jüdischen Sowjetsoldaten aus der Kriegsgefangenschaft zu entlassen und zur Exekution in Dachau an die Gestapo zu übergeben, kam nach Aussage von Meinel nicht aus dem Stalag, sondern direkt vom vorgesetzten General Reineke. 4) Meinel und Nepf wurden später versetzt. Als neuer Kommandant des Stalag VII/A folgte Otto Burger. Otto Burger, ab Herbst 1943 Stalag VII/A Kommandant, spricht von 3.000 nach Dachau transportierten Russen.
__________________________
1) IMT, Band XXXVIII, S. 448.
2) Vgl. ebd.
3) Vgl. ebd. S. 459.
4) Vgl. ebd.
__________________________
1) IMT, Band XXXVIII, S. 448.
2) Vgl. ebd.
3) Vgl. ebd. S. 459.
4) Vgl. ebd.