Nach der Erinnerung von Otto Burger, Lagerkommandant des Stalag VII/A, lag die Gesamtzahl der von Moosburg in das KZ-Dachau transportierten Kriegsgefangen bei etwa 3.000 Sowjetsoldaten. 1) Franz Blaha, KZ-Häftling und Arzt im KZ-Dachau sprach im "Nürnberger Prozeß" von 5 - 6.000 sowj. Häftlingen, die auf dem Schießplatz Hebertshausen ermordet wurden. 2) Und Josef Jarolin, seit 1943 Kommandant des KZ-Außenlagers Dachau-Allach gab im "Dachauer Prozeß" zu, an mindestens 800 Erschießungen von etwa 2.400 sowj. Kriegsgefangenen beteiligt gewesen zu sein. 3) Alfred Carl, zur Zeit der Erschießungen als KZ-Haftling Kleiderkammerkapo im KZ-Dachau, beziffert in seiner Aussage 4.000 ermordete sowj. Kriegsgefangene: "Bezüglich der Erschießung der russischen Kriegsgefangenen im Jahre 1941/42 kann ich folgendes angeben: Die Erschießungen fanden jeweils in den Morgenstunden etwa (...) ab 7:30 oder 8:00 Uhr bis etwa 10:00 Uhr statt. Ich weiß dies deshalb so genau, weil ich als Kammerkapo morgens immer 10 Schürzen, 10 Handtücher und 10 Paar Fäustlinge herrichten mußte. Diese Bekleidungsstücke und die Handtücher wurden zu dieser von einem mir nicht mehr erinnerlichen SS-Angehörigen mit einem Kfz abgeholt. Die blutigen Bekleidungsstücke und die Handtücher wurden in der Wäscherei abgegeben und dann habe ich sie wieder in im Empfang genommen." 4) Entscheidendes Kriterium für diese Schätzung ist der Zugang zu Zahlen. Alle Beteiligten hatten diesen Zugang nur bedingt. Hinzu kommen die erhalten gebliebenen Dokumente des "Nürnberger" und "Dachauer Prozesses". 5) Wir müssen davon ausgehen, dass durch den "Kommissarbefehl" mindestens 1.600 sowj. Kriegsgefangene aus dem Stalag VIl/A im KZ-Dachau auf dem Schießplatz in Hebertshausen ermordet wurden.
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1) Burger, Stalag VII/A, Facsimile-Druck S. 109.
2) Vgl. IMT. Band XXXII, S. 63.
3) Jarolin, Josef, * 6.3.1904, Erklärung vom 30.10.1945, KZGSD Archiv 6611.
4) Carl, Gustav-Alfred, * 11.2.1902, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 222 f .
5) Eine erhalten gebliebene Übersicht der Gestapo-Stelle München dokumentiert für das Jahr 1941 im Wehrkreis VII und VIII die Überstellung von insgesamt 3.100 sowjetischen Kriegsgefangenen "zur Sonderbehandlung" in die Konzentrationslager Dachau, Flossenbürg und Buchenwald.