Nach dem Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen (Genfer Konvention) vom 27. Juli 1929 waren alle kriegsgefangenen Mannschaften zur Arbeit verpflichtet. Auch die sich ab 19. Oktober 1939 im Stalag VIl/A befindlichen jüdisch- polnischen Mannschaften arbeiteten u.a. in Arbeitskommandos in München, Oberbayern und Schwaben. Dort wurden sie in der Land- und Forstwirtschaft und im Bausektor eingesetzt. 1) Die überwiegende Zahl konnte eine handwerkliche Berufsausbildung vorweisen. Ihre Arbeitstellen lagen in Gärtnereien, Landwirtschaftsbetrieben und im gemeindlichen Straßenbau. Hinzu kamen kirchliche (Kloster Scheyern) und militärische Einrichtungen (Lager Lechfeld); auch NS-Ortsbauernschaften wie Moosach, Feldmoching, Berg am Laim, Eching bei Freising, dem Gut Engelen bei Hollern. 2) Ihre Bezahlung entsprach den Bestimmungen der Genfer Konvention. Die Dauer ihrer Einsätze außerhalb des Lagers erstreckte sich von Tagen bis mehrere Monate. Die Unterbringung erfolgte oft Privat.
Darüber, ob sie innerhalb des Lagers oder bei ihren Arbeitseinsätzen antisemitischen Diskriminierungen durch Mitgefangene, Wachpersonal oder die Bevölkerung ausgesetzt waren, wird unterschiedlich berichtet, 3) betrifft allerdings nicht explizit das Stalag VII/A in Moosburg. Hinweise auf rein jüdische Arbeitseinsatzkommandos sind für die Anfangskriegsphase 1939/40 für dieses Stalag bisher nicht aufgetaucht. Jüdisch-polnische Kriegsgefangene wurden zu Arbeitseinsätzen über die Stammlager über das Reichsgebiet verteilt, ihre Einsätze durch die Kriegsgefangenenverwaltung, Arbeitsämter und der Reichsbahn organisiert. So wurde ein Teil im Januar 1940 aus dem Stalag VIllA in das Stalag XVII/B nach Krems-Gneixendorf (Oberösterreich) überstellt, mitte August 1940 von Moosburg weitere jüdisch-polnische Kriegsgefangene in das Stalag VIII/A nach Görlitz verlegt.
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1) Vgl . RGBI Nr. 21 v. 30 Juli 1934, 3. Abschnitt, Art. 27 - 34. Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen vom 27. Juli 1929.
2) Ausgewertet wurden 2941 Kriegsgefangenenkarteikarten des "Ringelblimarchivs" in Warschau. Davon hatten 294 Kriegsgefangene einen Arbeitseinsatz im Gebiet des Stalag VII/A. Quelle: https://cbj.jhi.pl/collections/827827
3) Vgl. dazu: Shmuel Krakowski, Das Schicksal jüdischer Kriegsgefangener im Septemberfeldzuzg 1939, Internationales Shoah Resource Center, 1/34 Schule für Holocaust-Studien.