Arbeitseinsatz in der Rüstungsindustrie
Zwangsarbeit sowjetischer Kriegsgefangener in der Rüstungsindustrie: Foto: BMW-history group

Kriegsgefangene Mannschaftsdienstgrade waren nach der Genfer Konvention von 1929 während ihrer Gefangenschaft zur Arbeit verpflichtet. Allerdings war ihr Arbeitseinsatz in der Rüstungsindustrie verboten. Offiziere waren von der Arbeitspflicht befreit. Trotzdem setzte die Wehrmacht sowjetische, französische und italienische Kriegsgefangene (IMI = "Italienische Militärinternierte") in den Münchner Rüstungsbetrieben zur Arbeit und in der Flugabwehr an den Flakgeschützen (FLAK = Flugabwehrkonone) zum Militärdienst ein. 1)

Der Haupteinsatz der Kriegsgefangenen erfolgte bis Ende 1942 überwiegend in der Landwirtschaft, danach zunehmend in Gewerbe und Industrie. Seit 1938 existierte ein "Reichsbahnlager am Eggarten", in dem ab 1940 französische Kriegsgefangene untergebracht waren.

Der Großteil der Gefangenen im Stalag VII/A war ab 1941 auf Anforderung von Militär, Behörden, Firmen, Industrie und Landwirtschaft auf über 2.300 Arbeitskommandos im Wehrkreis VII verteilt worden. Für ihren Einsatz sorgte eine Aussenstelle des Landesarbeitsamtes, das innerhalb des Stalag VII/A ein eigenes Büro eingerichtet hatte und sich ausschließlich um die Vermittlung der Kriegsgefangenen kümmerte. Bei ihrem Einsatz in der Landwirtschaft und im Gewerbe im Münchner Norden erfolgte ihre Unterbringung überwiegend in Gastwirtschaften. In Feldmoching waren dies die Gaststätten Spiegel, Schlegel, Schießstätte, Pulverturm und Schleißheimer Alm. Ihre Nebenzimmer und Tanzböden dienten als Schlafsäle. Die Essensversorgung der Gefangenen erfolgte über die Gasthofküchen. Nachts wurden die Kriegsgefangenen eingesperrt. Das erleichterte ihre Bewachung. Die Bezahlung erfolgte in „Lagergeld“; Bargeld war verboten. Die Kriegsgefangenen der Feldmochinger Futtermittel und Melassefabrik Dr. Zentz hausten teilweise in einem umgebauten Schweinestall und im Feldmochinger Hof. Große Rüstungsbetriebe wie z.B. BMW oder die Südbremse unterhielten eigene Firmenlager.

In Ludwigsfeld an der Dachauer Straße betrieb die Firma BMW seit dem Frühjahr 1943 das größte sowjetische Kriegsgefangenenlager Münchens für ca. 600 sowjetische Kriegsgefangene, die auch bei Krauss-Maffei eingesetzt wurden.

Ab dem Frühjahr 1943 wurden sowjetische Kriegsgefangene im Münchner Raum besonders in der Rüstungsindustrie, dem Militär im Bauwesen sowie nach Bombenangriffen in Räumkommandos eingesetzt.
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1) Vgl. IMT, Band XXXVIII, S. 425.
2) Vgl. BA RW 17/55. Die Lagerliste in der Akte mit Stand den September 1944 ist für München vollständig erhalten. Die Anforderungen an Kriegsgefangenenlager waren klar geregelt und streng überwacht. Vgl. dazu: „Anweisung zur Unterkunft von Gefangenen im Arbeitseinsatz“, BArch MA Freiburg, RH 49/49, Bl. 31. Der französische Kriegsgefangene Alfred Gaspard berichtet am 19. Februar 1943: „Die Russen müssen, bedroht mit Reitpeitschen und Polizeihunden in ein Büro gehen, um ihre Wehrverpflichtung zu unterschreiben. Revolverschüsse werden abgegeben, um ihnen Angst einzujagen. Man erzählt den Fall von einem, der strammsteht und ‚Nein‘ und ‚Deutschland ist verloren‘ ruft, während die Hunde seine Kleidung zerreißen und ihn beißen.“ Am 20. Februar 1943 schrieb Gaspard in seinem Tagebuch: „Diese Nacht wurden 3 Russen in ihrer Baracke getötet und einer verletzt. Im Bahnhof fand vor dem Einsteigen ein regelrechtes Gemetzel statt. Franzosen aus der Baracke 37 haben das große Loch ausgehoben. Das geschieht immer, wenn sie es ablehnen, ihre Brüder in der D.C.A.*) zu bekämpfen. In der Krankenstation wird von französischen Ärzten ein russischer Kommandant wegen Magenverletzungen gepflegt. Er hat sich mit einem Messer zwei Granatsplitter herausgezogen. *) Défense contre avions (Luftabwehr - Flakschützen gegen ihre eigenen Kameraden)“, Alfred Gaspart, Peindre de Captive, 1940 - 1945, Stalag VII A, S. 106.

3) Vgl. dazu: Wladislaw Murawski, in StaA München, Staatsanwaltschaften 34817/2, Blatt 165 und Jan Mieczyslaw, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/2 Blatt 345 f.

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