Arbeitseinsatz ind Rüstungsbetrieben und Militär

Erste Arbeitseinsätze von 350 sowj. Kriegsgefangenen sind ab September 1941 auf dem Flugplatz Schleißheim dokumentiert. 1) Von 9.182 Kriegsgefangenen aus Moosburg waren im September 1944 in München 3.484 sowj. Kriegsgefangene in kriegswichtigen Betrieben, zusätzlich 1.598 sowj. Kriegsgefangene im Militärdienst eingesetzt. Sie waren dort zum Dienst als Flaksoldaten gezwungen worden. 2) Innerhalb der Firmen und in ihren Lagern wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen unterschiedlich behandelt. Vorliegende Berichte befreiter Kriegsgefangener bestätigen dies. Zum Beispiel wurde in den Firmen Südbremsen AG oder Dornier weder geschlagen noch gehenkt bzw. am Arbeitsplatz erschossen. Anders bei den Firmen FS. Kustermann und BMW. Sowj. Kriegsgefangene und Zivilarbeiter als KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Dachau-Allach wurden bei Verdacht auf Sabotage, bei Flucht, Arbeitsverweigerung oder tätlichem Angriff auf Vorgesetzte gehenkt oder z.B. bei Flucht aus der Firma Kustermann am Arbeitsplatz auf dem Werksgelände am Münchner Ostbahnhof erschossen. 3) In seinen Erinnerungen berichtet der ukrainische KZ-Häftling Nikolai Choprenko, dass wegen Verdacht auf Sabotage durch den BMW-Werkmeister Hans Eisenbart im BMW-Werk II in Allach drei sowjetische kriegsgefangene KZ-Häftlinge im KZ-Außenlager Dachau-Allach gehenkt wurden. Der Kriegsgefangene Dimitrij Tschukut wurde am 14. Mai 1942 in der Eisengießerei Kustermann (Arbeitskommando 3210) am Arbeitsplatz erschossen.
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1) Vgl. IMT, Band XXXVIII, S. 425. 2) Vgl. BA RW 17/55. Diese Lagerliste gibt als Stand den September 1944 an und ist für München vollständig erhalten. Die Anforderungen an Kriegsgefangenenlager waren klar geregelt und streng überwacht. Vgl. dazu: „Anweisung zur Unterkunft von Gefangenen im Arbeitseinsatz“, BArch MA Freiburg, RH 49/49, Bl. 31.
2) Der französische Kriegsgefangene Alfred Gaspard berichtet am 19. Februar 1943: „Die Russen müssen, bedroht mit Reitpeitschen und Polizeihunden in ein Büro gehen, um ihre Wehrverpflichtung zu unterschreiben. Revolverschüsse werden abgegeben, um ihnen Angst einzujagen. Man erzählt den Fall von einem, der strammsteht und ‚Nein‘ und ‚Deutschland ist verloren‘ ruft, während die Hunde seine Kleidung zerreißen und ihn beißen.“ Am 20.02.1943 schreibt Gaspard in seinem Tagebuch: „Diese Nacht wurden 3 Russen in ihrer Baracke getötet und einer verletzt. Im Bahnhof fand vor dem Einsteigen ein regelrechtes Gemetzel statt. Franzosen aus der Baracke 37 haben das große Loch ausgehoben. Das geschieht immer, wenn sie es ablehnen, ihre Brüder in der D.C.A.*) zu bekämpfen. In der Krankenstation wird von französischen Ärzten ein russischer Kommandant wegen Magenverletzungen gepflegt. Er hat sich mit einem Messer zwei Granatsplitter herausgezogen. *) Défense contre avions (Luftabwehr - Flakschützen gegen ihre eigenen Kameraden)“, Alfred Gaspart, Peindre de Captive, 1940 - 1945, Stalag VII A, S. 106.
3) Vgl. dazu: Wladislaw Murawski, in StaA München, Staatsanwaltschaften 34817/2, Blatt 165 und Jan Mieczyslaw, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/2 Blatt 345 f.

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