Lipowa 7, Aktion "Erntefest" in Maidanek

In Lublin gab es eine ausgedehnte Untergrundaktivität seitens der Widerstandsorganisation unter Leitung von Roman Fiszer. Immer wieder entkamen Häftlinge aus dem Lager, jedoch wurden die meisten von ihnen erneut gefangen und später ermordet. Insgesamt gelang etwa hundert Häftlingen die Flucht. Sie schlossen sich den Partisanen an und kämpften zwei Jahre lang in der Region Lublin. 1) Die im Lager Lipowa 7 verbliebenen etwa 300 Kriegsgefangenen wurden im Rahmen der Aktion „Erntefest“ am 3. November 1943 in das KZ Majdanek überstellt. Sie mussten dort drei etwa 100 Meter lange und bis zu 3 Meter tiefe Gruben anlegen, in denen anschließend zigtausende Juden durch Genickschuss von SS und Wehrmacht ermordet wurden. Die zum ausheben der Gräben abgestellten Kriegsgefangenen aus Lipowa 7 wurden anschließend vor dem Krematorien erschossen. Wieviel dieser kriegsgefangenen Soldaten davon vorher aus dem Stalag VII/A kamen, ist unbekannt.

Es gab nur wenige Überlebende, auf deren Aussagen hier zurückgegriffen werden konnte. Ihre Berichte bestätigen, dass in verschiedenen Stalags (Mannschaftsstammlager) für jüdisch-polnische kriegsgefangene Soldaten kein Schutz nach der Genfer Konvention bestand. So wird aus anderen Stalags von organisierten Pogromen polnischer Kriegsgefangener gegen die eigenen jüdischen Kriegsgefangenen berichtet. Dies traf nach derzeitigen Erkenntnissen nicht für das Stalag VII/A in Moosburg zu.

Die Nichtbeachtung der Genfer Konvention von 1929 betraf alle Lebensbereiche der jüdischen-polnischen Kriegsgefangenen. Sie begann bei ihrer Gefangennahme im Feld, über die Kriegsgefangenschaft in den Stalags in den Bereichen Unterkunft, Zuteilungen, Arbeit und Freizeit. Unterkunft, Rationen, Terror, Gesundheitsfürsorge und schwerer Arbeit, die den jüdischen Kriegsgefangenen auferlegt wurde. Zur ihrer Ermordung wurden sie in die Lager des Generalgouvernements gebracht. So auch die jüdisch-polnischen Kriegsgefangenen aus dem Stalag VII/A in Moosburg.
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1) Vgl. dazu auch: https://taz.de/Aufregung-nach-Zwick-Film-Defiance/!5165289/.

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