Die etwa 10.000 jüdischen französischen Kriegsgefangenen in den deutschen Stalags waren zwar „antisemitischen Diskriminierungen ausgesetzt, doch bis auf wenige Ausnahmen wandten ihre Bewacher ihnen gegenüber das Kriegsvölkerrecht die Genfer Konvention von 1929 über die Behandlung von Kriegsgefangenen an. Paradoxerweise schützte die Kriegsgefangenschaft diese jüdischen Kriegsgefangenen in den Mannschafts-Stamm(Stalags) und Offizierslagern (Oflags) vor ihrer NS-Verfolgung in Frankreich.“ 1) Zwei Beispiele:
Fernand Bauer, geboren am 17.Juli 1913 als Sohn des Viehhändlers Edgar Bauer und Fanny Lévy in Romanswiller im Departement Bas-Rhin. Nach seiner Gefangennahme am 1. Juli 1940 in Seltz wurde er im Stalag V/D (Straßburg) unter der Nummer 3921 registriert, entkam durch Flucht am 21. Dezember 1940. Etwa zehn Tage später wurde er erneut gefangen und am 11. Januar 1941 ins Oflag XII/F nach Saarburg, von dort am 26. Mai 1941 ins Stalag XII/A (Limburg) überführt. Am 1. Juni 1941 kam er von dort in das Stalag XI/B (Fallingbostel) und erhielt dort die Registriernummer 103775. Anschließend wurde er nach X/A (Schleswig) überstellt und dort dem Torfabbau-Kommando 1416 Quickborn zugewiesen. Nach seiner Befreiung am 23. Mai 1945 wurde Fernand Bauer über Lille repatriiert und wohnte danach in Paris. Er starb am 26. Mai 1969 in Straßburg. 1)
Auch Walter Haas, geboren am 25. November 1908 in Brünn (Tschechoslowakei), wurde am 15. Juni 1940 in Paris gefangen genommen und im Stalag VII/A (Moosburg) unter der Nummer 96581 registriert. Am 18. März 1941 wurde er in das Stalag X/B (Sandbostel), dann zu XI/B (Fallingbostel) und in das Stalag X/A (Schleswig) überstellt. Dort arbeitet er im Torfabbaukommando 1460 Quickborn. Er kehrte am 23. Mai 1945 über Lille nach Frankreich zurück. 2)
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1) Vgl. Kriegsgefangene Juden aus Frankreich und deren Familien in und nach der Shoah: Kriegsgefangenschaft, Deportation nach Bergen-Belsen und Erinnerung in Frankreich (Janine Doerry), in: https://www.stiftung-ng.de/fileadmin/dateien/Stiftung/PDF_temporaer/Gemeinschaften_Doerry_dt_lang.pdf, Abruf 2.2.2022.
2) Christoph Wörle, Quickborn, Französisch-jüdische Kriegsgefangene.Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 1416, Quickborn-Himmelmoor. in: https://view.genial.ly/60bf9ead1e7bbd0d5fd5b5fe/presentation-1416-quickborn.