Der KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach
Offizielle Lagernamen: KZ-Außenlager Allach, O.T.-Lager Karlsfeld, O.T.-Lager Rothschwaige, SS-Arbeits- und Krankenlager.
Art der Lagers: Firmenlager der BMW-Flugmotoren GmbH, erbaut ab Herbst 1942 zum „BMW KZ-Werk Allach“ in drei Bauabschnitten.
KZ-Lagerbetrieb: Januar 1943 bis 30. April 1945, danach Quaratänelager bis 28. Mai 1945, Internierungslager, Flüchtlingslager.
1. Bauabschnitt ab Herbst 1942: Arbeitslager ab Herbst 1942 (19 Holzbaracken für KZ-Häftlinge), SS-Wachlager (9 Holzbaracken für SS-Wachpersonal).
Bauweise: Holzbaracken auf Betonrahmenfundament: „Pferdestallbaracken“ mit Oberlichter und einem Tor als Ein- und Ausgang, Blockältestenstube vorne und Kapostube hinten mit Fenster. Zunächst gestampfte Lehmböden ab Sommer 1943 Betonetrichböden. Sanitär- und Waschanlagen außerhalb der Baracken.
2. Bauabschnitt ab Winter 1943: Krankenlager 1 Steinbaracke in U-Form, 4 Steinlangbaracken als Quarantänelager
Bauweise: Steinbarackeen auf Betonrahmenfundament: gemauerte „Schlackebausteine“ auf Betonfundamente mit Betonestrich und Fertigdachplatten auf 3 in der Mitte der Räume stehenden Betonsäulen. Mehr- und Zweibettzimmer, Schlafsaal. Operationsräume.
3. Bauabschnitt ab Frühjahr 1944: Juden-/O.T.-Lager ab Frühjahr 1944 (10 Steinbaracken).
Bauweise: Steinbaracken auf Betonrahmenfundament: gemauerte „Schlackebausteine“ auf Betonfundamente mit Betonestrich und Fertigdach auf 3 in der Mitte der Räume stehenden Betonsäulen. Sanitär- und Waschanlagen in 2 Baracken.
4. Bauabschnitt ab Herbst 1944: Küchenbaracke und Krankenrevierbaracke im O.T. Lager.
Bauweise: Steinbaracken auf Betonrahmenfundament: gemauerte „Schlackebausteine“ auf Betonfundamente mit Betonestrich und Fertigdach auf 3 in der Mitte der Räume stehenden Betonsäulen.
Standorte der Lager: nebeneinander in München-Ludwigsfeld und im ehemaligen Quarantänelager in Dachau-Rothschwaige.
Offizieller Name: SS-Arbeitslager Allach: Januar 1943 - April 1945.
Bauausführung: O.T.-Baukommando bestehend aus KZ-Häftlingen.
Standort: München-Ludwigsfeld, Feldmochinger Straße (heute Karlsfelder Straße).
Lagerbelegung ab 1943: zwischen 2.200 und 7.000 KZ-Häftlingen, in der Endphase (ab mitte April 1945) etwa 12.500 Häftlinge, („Evakuierungsmärsche“), davon über 1.000 Frauen.
KZ-Häftlinge SS-Arbeitslager: Höchstzahl Frühjahr 1944 ca. 5.700.
Jüdische KZ-Häftlinge O.T.-Lager: Höchstzahl Winter 1944 ca. 1.350 Juden, danach mit ca. 1.000 jüdischen KZ-Häftlingen belegt.
Nationalitäten: Russen, Franzosen, Deutsche, Ungarn, Italiener, Polen und weitere 30 Nationalitäten.
Kommando Fertigung: Serienfertigung BMW-Flugmotor 801, 14 Zylinder luftgekühlter Doppelsternmotor in verschiedenen Ausführungen.
Kommando Bau: Bunker- und Eisenbahnbau („Mollgleis“, Bahnhof Karlsfeld).
Besonderheit: BMW-Firmenlager, „KZ-Werk BMW“ (Eigentümer und Betreiber).
Häftlinge nach Allach aus: Buchenwald, Natzweiler, Flossenbürg, Dachau, Wewelsburg, Auschwitz, Warschau, Lublin u.a. KZ.
Häftlinge von Allach nach: KZ-Buchenwald, KZ-Außenlager Mühldorf, BMW-Eisenach, Natzweiler-Markirch, Kempten, Stefanskirchen, Trostberg, Hallein, Blaichach, Kaufbeuren, Immenstadt, Hapburg, usw.
Probleme von BMW: Arbeitskräfte-, Rohstoff- u. Maschinenmangel, Untertageverlagerung, Zulieferer, Bunkerbau, Bombardierung, Sabotage.
Fläche: ca. 255 x 460 m (ohne Wachbereich und Kiesgrube) 6,5 ha.
Wachmannschaften: 600 - 800 SS-Männer, (in SS-Wachlager neben dem Lager), Luftwaffensoldaten und Wehrmachtsangehörige.
Arbeitskommandostärke BMW-Flugmotoren: Schichtstärke 1943: 500 - Ende 1943: 2.000, Frühjahr 1944: ca. 2.500 Häftlinge pro Tag-/Nachtschicht, 6 Tage pro Woche, 12 Stunden täglich. Wechselschicht.
Arbeitskommando Bau Dyckerhoff &Widmann: Schichtstärke 1.500 - 1.800, 7 Tage pro Woche ohne Unterbrechung. Wechselschicht.
Arbeitskommando Juden: Ausschließlich bei BMW im Baukommando (Bahn- und Dyckerhoffkommando), vereinzelt Sonntags in den Höfen der umgebenden Landwirtschaft eingesetzt.
Bezahlung: Fach- 6 RM, Hilfsarbeiter 4 RM/Tag. Zahlung von BMW über die SS in den Staatshaushalt. Keine Bezahlung der Juden, übrige KZ-Häftlinge nur geringfügige Prämien.
Betriebsdauer BMW-Allach: bis Ende Februar 1945.
Todesmarsch Allach: ab 26. April etwa 2.000 Häftlinge (Russen) zu Fuß, ca. 2.700 Juden, davon ca. 980 Frauen am 26.04.1945 per Bahn vom Bahnhof Karlsfeld Richtung "Ötztal".
Häftlingsdurchsatz 1944: mindestens 34.000 nachweisbar in zwei Jahren.
Ermordete (auch indirekt) Häftlinge: 1.600 Opfer namentlich nachgewiesen, davon etwa 350 innerhalb der Lager.
Befreiung: 30.04.1945: 7. US-Army - 42th „Rainbowdivision“, Noch ca. 8.700 Häftlinge im Lager plus 1.300 jüdische Häftlinge.
 Lagerkommandos: Moorexpress, Küchenkommando, Entlausung, Wäschekammer.
 Besonderheit: Blechwinkel mit Kennzeichnung für Juden und Nationen
O.T. = Organisation Todt: paramilitärische Bauorganisation die unter ihrer Bauleitung das Außenlager (Kommando Barackenbau) und insbesondere für BMW den Hallenbunker im Zuge der Untertageverlegung und Verbunkerung der Kriegsproduktion mit KZ-Häftlingen erstellte.
Tagesablauf der KZ-Häftlinge des SS-Arbeitslagers bei BMW 1943 - 1945
Morgen: Wecken im Winter: 4:30 Uhr, Sommer: 4:00 Uhr
Betten machen, Bettenappell, Zählappell, waschen, Frühstück 1 Tasse „Kaffee“,
Arbeitseinsatzeinteilung, Zählappel, Abmarsch zu BMW, bei Ankunft im Werk: Zählappell,Arbeitsbeginn: 6 Uhr, 9 Uhr: Brotzeit 15 Minuten (1 Scheibe Brot, Wurst oder 20g Margarine aus der Lagerküche) Einnahme im Freien Weiterarbeit um 9:15 Uhr, Bewachung bei BMW durch SS-Posten mit Hundeführer
Mittag: Mittagspause 12 - 12:45 Uhr
Essen wurde aus dem Lager mitgebracht (1 Liter Kohlsuppe) Esseneinnahme im Freien, Weiterarbeit von 12:45 bis 18:00 Uhr, 18:00 Uhr Arbeitseinsatzende,  Antreten, Zählappell, Rückmarsch in das KZ-Außenlager, bei Ankunft im Lager erneut Zählappell, waschen, Strafvollzug (25 auf dem „Bock“, etc.)
Abend: Abendessen um 19 Uhr
Stubenappell, 20 - 21 Uhr Freizeit, 21 Uhr: „Licht aus!“
Freizeit: Sonntag frei
Wochenarbeitszeit: 72-Stunden (6-Tage Woche)
Schichtbetrieb: Tagschicht: 6 bis 18:00 Uhr; Nachtschicht 18 bis 6 Uhr
Bezahlung: keine, Prämienzahlungen, Prämienscheine, „Bockscheine“ (für Dachau) für Bordellbesuch nur für Kalfaktoren (Kapos, Blockschreiber), abhängig von Arbeitseinsatzführer
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